​Ob ein Ereignis eine Krise oder eine Chance ist, hängt von unserer Wahrnehmung und Sichtweise auf diese ab.
Die Sichtweise wird erzeugt durch unsere Gedanken und diese bestimmen unsere Handlungen.
An unseren Handlungen erkennt man, wer wir sind.
Auf die Arten der Herausforderungen haben wir wenig Einfluss, aber wir entscheiden, wie wir sie annehmen und mit ihnen umgehen.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzwälle, die anderen Windmühlen“.

Die Evolution hat uns mit der Fähigkeit zur Anpassung ausgestattet.
Wir sind in der Lage, mit Risiken und Krisen so umzugehen, dass wir gestärkt aus deren Bewältigung hervorgehen.

Für diese alte Fähigkeit gibt es heute einen neuen Begriff:  Resilienz

Über das, was „Resilienz“ ist, gibt es viele Beschreibungen.

Ganz vereinfacht kann man sie in zwei Gruppen einteilen:
Es ist zum einen die Fähigkeit, wie Menschen mit ihren persönlichen Krisen umgehen und zum anderen, wie organisationale Prozesse gestaltet sein müssen, um bspw. betriebs- oder volkswirtschaftliche Krisen zu bewältigen.

Unternehmen sind dabei die Schnittstelle von beidem, denn der Erfolg von Unternehmen hängt maßgeblich von den dort tätigen Menschen ab.
Krisen, welche die gesamte Wirtschaft treffen, berühren auch jeden einzelnen Menschen.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Mitarbeiter ihre persönlichen Probleme und Bedürfnisse in die Unternehmen mitbringen.
Dies ist schon zu „normalen“ Zeiten eine Herausforderung, wird jedoch in Krisenzeiten besonders wichtig, aber auch besonders schwierig.

In Zeiten, in der besonders die Mitarbeiterbeschaffung sowie das Halten von Mitarbeitern eine wachsende Herausforderung darstellt, ist die interne wie externe Vermittlung einer bestehenden Resilienz maßgeblich.

Die gültigen Paradigmen der Politik haben sich in wenigen Monaten völlig verändert.
Die selbstverständliche Verfügbarkeit von Energie, Rohstoffen und Gütern jeder Art gibt es nicht mehr.
Dass dies eintreten könnte, war unwahrscheinlich, aber das nahezu Unmögliche hat sich ereignet!
Die berufliche und damit finanzielle Sicherheit sind Säulen, auf die sich Arbeitnehmer stützen.
Wenn diese nicht genug Stabilität versprechen, dann ist es abzusehen und auch verständlich, dass man dort hingeht, wo man diese erhält.

Der Umgang und die Vorbeugung von schwierigen Zeiten hat nichts mit Panik oder Pessimismus zu tun!

Man kann dies rational und mit kühlem Kopf durchdenken, so wie man Versicherungen gegen vielfältige Risiken abschließt, sich beim Autofahren selbstverständlich anschnallt oder in einem Boot eine Rettungsweste mitführt … und sich trotzdem so verhält, dass der Bedarfsfall möglichst nicht eintritt.

Die Mitarbeiter müssen über die Tiefe der Schritte nicht zwingend informiert sein.
Sie brauchen nur das Vertrauen und die Sicherheit, dass Ihr Unternehmen mit Herausforderungen umgehen kann.
Dies erzeugt man durch Transparenz und eine offene Kommunikation.

Verantwortung zu übertragen und zu teilen entlastet ebenfalls und vermittelt zudem eine Form der Sicherheit.
Manche Mitarbeiter sind keine guten Beifahrer, aber exzellente Fahrer.

Sie entfalten Ihr Potenzial am besten, wenn sie das Gefühl der Steuerung und der Beteiligung an den Handlungen haben.

Aus der Praxis gibt es folgende Erfahrungen:
Das Festhalten an den bisher vorgegebenen Prozessen reicht für das resiliente Unternehmen nicht mehr aus.
Diese werden durch Improvisation und einer neuen Sinngebung durchbrochen.

Damit dieser Wandel nicht chaotisch wird, erfordert dies eine erweiterte Übernahme von Verantwortung durch Mitarbeiter, die bisher hauptsächlich organisatorisch tätig waren und nun in eine Führungsrolle wechseln müssen.

Die exakte Definition eines jeden Arbeitsplatzes, als Grundlage eines genau festgelegten reibungslosen Ablaufs, wird zur Effizienzstörung.

Genau definierte Entscheidungsfindung und Verantwortlichkeit verhindert die notwendige Flexibilität und eine offene Kommunikation sowie den dringend erforderlichen Wissenstransfer.
Unter Beibehaltung der „alten Ordnung“ ziehen sich die Mitarbeiter in kritischen Situationen zurück, mit dem Hinweis: „Das gehört nicht zu meinen Aufgaben“.

Es geht in der Krise nicht mehr nur um das genaue Erfüllen eines einmal festgelegten Plans, sondern um Lernbereitschaft, eine optimistische Darstellung alternativer Wege, um Fehlertoleranz, aber auch um konfrontationsbereite Kommunikation bspw. in einem Team; letztlich um die „alten Werte“ wie Furchtlosigkeit, Gelassenheit, Loyalität, Mut und geistige Offenheit!

Deshalb ist die Schaffung eines resilienten Unternehmens in erster Linie eine intensive Aufgabe der Führungsmannschaft, die Menschen auf notwendige Veränderungen vorzubereiten.
Voraussetzung hierzu ist jedoch, dass diese die neuen Möglichkeiten und Chancen erkennen und sich aus Überzeugung dafür einsetzen.
Resilienz greift, in Form der notwendigen Transformation, tief in das menschliche Denken und Verhalten ein.

Dieser vorstehend beschriebene Rollentausch, ist der Wechsel vom Management zur Führung!

Management

  • verwaltet
  • bewahrt und pflegt Systeme
  • baut auf Systeme und Strukturen
  • baut auf Kontrolle
  • hat einen kurzfristigen Fokus
  • fragt nach dem Wie und Wann
  • blickt auf das Ergebnis
  • akzeptiert Status quo
  • macht die Dinge richtig

Fühung

  • innoviert
  • entwickelt weiter
  • baut auf Menschen
  • baut auf Vertrauen
  • hat eine Langzeitperspektive
  • fragt nach Was und Warum
  • auf das Ziel
  • stellt diesen in Frage
  • macht die richtigen Dinge

Es gibt eine Vielzahl von Modellen, mit denen die Einflussfaktoren und Eigenschaften resilienter Unternehmen dargestellt werden.

Modelle haben den Vorteil: sie reduzieren zum Verständnis Komplexität, schaffen Transparenz und erleichtern das Verstehen der Zusammenhänge auf den „ersten Blick“. Sie sind hilfreich, aber es gibt dafür nicht nur eine mögliche „Lösung“.
Das Modell muss einfach sein, sodass es jeder Beteiligte versteht.

Beispielhaft lassen sich die Aktionsfelder wie folgt darstellen:

Die wichtigsten Aufgaben für die Führung besteht darin,

  • Zuversicht vermitteln, dass man auch schwierige Zeiten überstehen wird.
  • Ein mit gemeinsamen Werten unterlegtes Gefühl von Optimismus und Engagement in Bezug auf die Arbeit, für das Team und die Organisation als Ganzes verbreiten.
  • Ein auf Unterstützung ausgerichtetes Denken, Verhalten und Handeln praktizieren, das die Auswirkungen auf die mentale Fitness im Verantwortungsbereich und im weiteren Umfeld wahrnimmt und in die Entscheidungen einbezieht.
  • Ein Bewusstsein entwickeln für den Bedarf an emotionaler Unterstützung und die Fähigkeit, diese sowohl zu geben als auch selbst anzunehmen.
  • Die Bereitschaft haben, nach Feedback und Unterstützung aus verschiedenen Quellen zu suchen.
  • Im eigenen Umfeld und im Verantwortungsbereich ein Gefühl der Zugehörigkeit und von Gemeinschaft kultivieren.
  • Sich auf die Fähigkeit zur Selbstregulierung besinnen, nachdem man sich aufgeregt hat oder emotional aufgewühlt war.
  • Bereit sein, mögliche Konsequenzen von Handlungen vorzudenken und gegebenenfalls Alternativen abzuwägen.

… und sich stets bewusst sein:

  • Eine Führungskraft ist immer Teil der Lösung. Ist sie es nicht, ist sie Teil des Problems!
  • Wenn es schwierig wird, sucht der Intelligente immer zuerst nach einer Lösung, der Dumme nach einem Schuldigen!

Fazit:

Es gibt keine Formel oder Anleitung, das eigene Unternehmen in ein resilientes Unternehmen zu transformieren.
Dazu greife ich nochmal einen Spruch vom Anfang des Beitrags auf:

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzwälle, die anderen Windmühlen“.

Ob ein Ereignis eine Krise oder eine Chance ist, hängt von unserer Wahrnehmung und Sichtweise auf diese ab.
Wir können vieles nicht verhindern, aber angemessen darauf reagieren.

Ein Unternehmen ist nur so resilient wie seine Mitarbeiter, insbesondere seine Führungskräfte.
Wir müssen anfangen wahrzunehmen, dass selbst die für uns immer sicheren Grundpfeiler keine Selbstverständlichkeit mehr darstellen.
Wir müssen lernen, auf die undenkbarsten Situationen zu reagieren.
Mit der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine sind unvorhersehbare Auswirkungen für uns alle spürbar geworden und erfordern eine noch nie dagewesene Anpassungsfähigkeit für unsere Planung in der Zukunft wie dem Hier und Jetzt.

Sich diese Eigenschaften anzueignen ist keine Strafe, sondern eine Chance für jeden einzelnen für uns. Resilienz bedeutet ebenfalls sich nicht blind auf andere zu verlassen, sondern die eigenen Instinkte zu aktivieren, Achtsamkeit zu trainieren und den Wandel der Zeit nicht nur hinzunehmen, sondern aktiv an der Gestaltung mitzuwirken.