Was für ein Unternehmer sind SIE? Alles eine Frage der Strategie?!

In meiner Rolle als Unternehmensberater ist mein Hauptansprechpartner nicht selten die Geschäftsführung selbst.

Aufgrund meiner Funktion durfte ich dadurch schon mit sehr vielen verschiedenen Persönlichkeiten einen Austausch finden und die Zukunft dieser Unternehmen mit gestalten.

In diesem Beitrag möchte ich gerne auf zwei unterschiedliche Unternehmertypen und deren Herangehensweise in Bezug auf eine Strategie eingehen und diese beschreiben.

Am Ende des Artikels können Sie selbst reflektieren, welchem Typ sie sich näher fühlen und wo sie sich in ihrer aktuellen Selbstwahrnehmung sehen. 

Wenn ich für ein Unternehmen und demnach für den dahinterstehenden Unternehmer in die Beratung gehe, dann gehört diese Analyse zu einer meiner ersten Aufgaben.

Wer ist mein gegenüber und wenn wir von einer langfristigen Strategie sprechen, welches Prinzip der Umsetzung verfolgt dieser? 

Grundlagen einer Strategie

Beim Erstellen einer Strategie versucht man alle zur Zielerreichung möglichen Chancen und Risiken nach bestem Wissen zu ermitteln und Handlungsoptionen zu beschreiben.

Diese Vorgehen folgt in ihrer „Form“ einer allgemein akzeptieren Vorgehensweise!

Beispiel:

  1. Beschreibung der Gesamtsituation
  2. Identifikation der eigenen Interessen und Ziele
  3. Beschreibung der eventuell entgegenstellenden Interessen
  4. Identifikation aller Handlungsoptionen durch Analyse
  5. Auswahl geeigneter Optionen

Bei der Umsetzung einer Strategie sollte man nach jedem erfolgten Schritt überprüfen, ob er im Hinblick auf das übergeordnete Ziel hilfreich war.

Ist dies nicht der Fall, so verändert man die weitere Vorgehensweise.

Dies nennt man das „Prinzip“. Das Prinzip ist ohne Form!

Die Form muss man erlernen.

Aus dem, was man selbst oder viele andere in der Vergangenheit gelernt haben, entsteht Wissen.

Das Prinzip entsteht nur aus der Praxis.

Umsetzen, bzw. Handeln, ist immer nur der Augenblick!

Erfolg ist die Einheit aus Form und Prinzip!

Das Wesentlichste einer Strategie besteht darin, die Gesamtlage umfangreich und realistisch einzuschätzen.

Diese beschreibt sich immer durch Ort, Zeit und Form.

Die Schlussfolgerungen hieraus ergeben sich aus der Erfahrung.

Solche Entscheider sind Strategen

Heute stehen vielen Entscheidern große Datenmengen über die Ist-Situation zur Verfügung. Sie verfügen meist über ein angelerntes Wissen. Diese arbeiten, noch mehr wie vor einigen Jahren immer unter einem hohem und größer werdenden Zeitdruck.

Sie denken nicht mehr in Jahren oder Monate, sondern in Stunden.

Diese Entscheider sind Analysten.

Hier beginnt die erste Einordnung. Wen habe ich vor mir sitzen? Ist es nach der oben stehenden Beschreibung ein Stratege, oder eher ein Analyst?

Zumindest aus meiner Erfahrung ist spannend zu beobachten, dass es selten etwas dazwischen gibt. Entweder sind die Entscheider stark erfahrungsgetrieben oder sehr Daten fokussiert.

Diese Einordnung zu versuchen hat auf die nächsten Schritte einen großen Einfluss. 

Intuitive und rationale Strategie

Es gibt keine richtige oder falsche Strategie, sondern nur Erfolg oder Misserfolg.

Die intuitive Strategie stellt wesentlich höhere Anforderungen an den Handelnden gegenüber der rationalen Strategie.

Die intuitive Strategie basiert vorwiegend auf sozialer Interaktion und „personenabhängigen Eigenschaften“ .

Je nachdem wo sich ein Entscheider vorab einordnen lässt, sind die nächsten Schritte drauf zu beziehen.

Heute dominiert die rationale Strategie, da die Führungskräfte einschränkenden Vorgaben unterliegen, wie bspw. der „Corporate social Responsibility“, Compliance-Regelungen, gesetzlichen Vorgaben, sozialer Erwartungen usw. Dies sind die Regeln formaler Interaktion.

Dies führt beim Problemlösen unvermeidlich zu vorgegebenen Denkstrukturen. Entscheider/Führungskräfte entscheiden sich nicht für die besten Lösungen, sondern für jene, bei denen sie keine Fehler machen können.

Rationale Strategie ist formalisiert und erlernbar.

Intuitive Strategie basiert auf Erfahrung und wurzelt in der Praxis.

Nahezu alle Unternehmen, welche heute zu den bedeutendsten der Welt gehören, starteten mit einer intuitiven Strategie (Vision Microsoft: „Ein PC auf jedem Schreibtisch“), da es auch keine wirklichen Vorbilder gab.

Während sich die rationale Strategie auf die Ziele richtet, fokussiert sich die intuitive Strategie auf die Vision.

Der intuitive Stratege

  • Zeitrahmen: Der „Unternehmer“ stützt sich auf sein eigenes Wissen und verknüpft es mit dem verfügbaren Wissen anderer. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben haben keine „Deadline“!
  • Raum für neue Lösungsansätze: Er befreit sich von der Anhaftung seiner Gedanken an die Ziele. Sie gehen nicht verloren, treten jedoch in den Hintergrund. Er öffnet sich für komplett neue Lösungsansätze.
  • Intuition: Dies ermöglicht ihm, jede Chance die sich aus der spontanen Veränderung des Umfelds ergibt zu nutzen. Er ist für den Gegenspieler (Konkurrenz) nicht kalkulierbar.
  • Strategisches Handeln des Gegenspieler (Konkurrenz): Handelt auch er intuitiv reduziert sich alles auf den Augenblick. Unser ganzes Leben besteht nur aus dem Augenblick.
  • Nicht vorhersehbare Auswirkungen: Diesen muss man in jedem Augenblick gerecht werden. Eine Änderung des Wegs zum Ziel ist manchmal der schnellste dorthin.

Die rationale Strategie hat sich im breiten Feld der Wirtschaft durchgesetzt. Sie ist lehr- und erlernbar. Sie erfordert keine besonderen persönlichen Fähigkeiten oder Eigenschaften.

Sie basiert auf einem Abwägen von Risiken und Chancen. Die Betriebswirtschaft stellt dazu eine Vielzahl von Instrumenten zur Verfügung wie bspw. die SWOT-Analyse.

Diese Vorgehensweise ist Effektiv und basiert auf Wissen.

Ursprung dieser Entwicklung 

Als Kind / junge Erwachsene sind wir in unserem handeln noch sehr Vision/Wunsch getrieben.

In unserer Vorstellung ist so vieles zu erreichen und möglich. Konsequenzen werden nicht ausgeblendet, aber wir sehen gerne mal darüber hinweg. Durch die Zeit der Bildung (Schule/Studium) werden wir mehr und mehr darin getrimmt einheitliche Lösungswege zu gehen und uns gegen andere zu prüfen. Wir lernen Wissen anzuwenden, erlernen die Form und wie wir uns in Strukturen mit vorgegebenen Mustern einordnen. Aus diesem Verhalten auszubrechen wird gerne als auffällig beschrieben, was sich in unserer Gesellschaft eher als negativ etabliert hat.


Kurzer Einwurf: Auch der Begriff Querdenker, welcher aufgrund der aktuellen Gegenwehr der vorgegeben Lösungsfindung unserer Regierung zur Pandemie als störend und negativ abgetan wird, hat in der eigentlichen Bedeutung eine ganz andere Wertung!

,,jemand, der eigenständig und originell denkt und dessen Ideen und Ansichten oft nicht verstanden oder akzeptiert werden!“
Die Basis vieler herausragender und wichtiger Errungenschaften unserer Zeit!

Durch vorgegebene Strukturen werden wir geformt und auf gesellschaftliche Anerkennung getrimmt. Durch Sicherheit in unserem Vorgehen schützen wir uns vor Fehler.

Im übertragenen Sinne laufen wir auf den Fußspuren derer, welche den Weg vor uns gegangen sind. 

Wir werden zu Analysten! Was ist die sicherste und schnellste Variante von A nach B? Im eingeschränkten Kosmos ist dies effektiv und wirksam. Anders zu denken, bedeutet in diesem Beispiel auch nicht zwingend einen noch sichereren und schnelleren Weg von A nach B zu finden, sondern feststellen, ob ich überhaupt von A nach B gehen muss. 

Um sich neuen Wegen zu stellen und vom Analysten zum Strategen zu entwickeln, bedarf es Zeit, Offenheit, Selbstreflexion, Achtsamkeit und Mut. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich viele erfolgreiche Unternehmer mit Themen wie Sport, Kampfkunst, Religion und Philosophie beschäftigen. In diesen Bereichen finden wir nicht die Wahrheit, sondern nur die passenden Werkzeuge, die wir auf unserer Reise zur Hilfe nehmen können.

Einer Vision nachzugehen, erfordert demnach Mut. Es setzt voraus, den Weg zu verlassen, sich zu verlaufen, Fehler zu begehen und immer und immer wieder zu scheitern. Die Erkenntnisse, die wiederum auf dieser Reise gemacht werden, sind unbezahlbar und letzten Endes der Schlüssel um Visionen zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Einordnung der strategischen Wege

Eine beherrschte intuitive Strategie ist effizient und basiert auf Können und Erfahrung.

Sie wurzelt in der Praxis. Sie ist mit größeren Risiken verbunden und entsteht somit häufig erst über vorausgehendes Scheitern.

Man erwirbt sie nicht durch Erlernen, sondern nur durch Erleben!

Hierzu bedarf es einer besonders konditionierten Persönlichkeit.

Die Bausteine der intuitiven Strategie beruhen nicht auf einzelnen Techniken, sondern auf dem Verständnis von Prinzipien.

Besonders in digitaler Betrachtung stehen Unternehmen permanent unter hohem Druck.

Fokussieren Sie sich darauf aktuellen Trends nachzugehen und diese bei sich im Unternehmen zu etablieren, oder ist es Ihr Ziele neue Trends und Maßstäbe einzuführen.

Dies könnte bedeuten, dass einem zeitweise die Ressourcen fehlen aktuelle empfohlene Maßnahmen nachzugehen. Diese gilt es dann zu überspringen, um sich auf ein Ziel in der Zukunft zu fokussieren. Analysten würden aufgrund der Unsicherheit eher davon absehen, Strategen vertrauen darauf durch die eigenen Prinzipien Ihres Handels intuitiv gute Entscheidungen zu treffen. Wenn dies gelingt, erreichen diese eine Vorreiterrolle, welche andere nur versuchen können nachzuahmen.

Das Original hat in der Betrachtung der Kunden in der Regel immer einen besseren Stellenwert!

Damit dies möglich wird, braucht es allerdings Unternehmer mit Visionen.

Menschen die sich trauen, eigene individuelle Erfahrungen zu machen, Schlussfolgerungen auf Basis Ihrer offenen Interaktion mit vielen Unternehmen und den dahinterstehenden Menschen zu treffen.

Ein guter Stratege zieht Analysen in seine Überlegungen mit ein, wägt diese allerdings mit seiner Intuition und sein Wissen ab.

Er sieht diese als Werkzeug, aber vertraut auf seine Erfahrungen und der Kenntnis der eigenen Fähigkeiten.

Fazit:

Wie schon Anfang geschrieben. Am Ende eines Weges zählt immer der Erfolg oder Misserfolg. 

Dies erlangen wir auf die eine oder auf die andere Art und Weise.

Richtig und falsch gibt es demnach nicht.

Es geht aber darum, was für eine Art Unternehmer sie sein möchten.

Gehen Sie Visionen oder Zielen nach. Haben Sie Freude am Schaffen oder am Nachmodellieren. 

Eine Weisheit die sich bei mir über viele Jahre schon immer wieder und wieder bestätigt ist die folgende:

,,Wenn du heute denkst es geht nicht, kommt morgen jemand und tut es!“

Die vielen Daten, welche uns heute zur Verfügung stehen sind Fluch und Segen zu gleich.

Sie können uns in vielem sehr nützlich sein, sind aber dennoch kein Ersatz für das eigene Denken und unsere Erfahrungen. Das sogenannte Bauchgefühl, unserer innerer Kompass, das intuitive und manchmal nicht erklärbare Gefühl zu einer Sache steht in keiner Ihrer Tabellen. 

Denken Sie darüber nach!

Wenn jedem gleichermaßen alle Daten zur Verfügung stehen, was sind dann die Faktoren die später noch den entscheidenden Unterschied machen?